Cyclamen, ein türkisfarbenes Werk mit strukturierter Oberfläche und Reihen eingeritzter Linear-B-Zeichen
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Poesie · Linear B · Materie · Licht

Was bleibt,
wird Sprache.

Nikos Samartzidis überträgt griechische Poesie in Linear B. Er gibt lebendigen Worten einen uralten Körper und einer einst verstummten Schrift eine neue Stimme.

Bedeutung ans Licht bringen

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01 / Erste Lesung

Zuerst wollen die Zeichen gesehen werden.

Grillos von Nikos Samartzidis, eine breite Fläche aus eingeritzten Zeichen und warmen mediterranen Farben Geführte Lichtstudie · Vergleichsaufnahmen stehen noch aus

Grillos · 2016

Acryl auf Leinwand · 50 × 100 cm

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02 / Verwandlung

Er gibt einer alten Schrift lebendige Worte. Lebendige Worte finden ein neues Leben.

Die erhaltenen Linear-B-Tafeln bewahren die früheste bekannte Form des Griechischen, vor allem in Verwaltungs- und Wirtschaftsaufzeichnungen. Samartzidis betritt den Raum, den sie offenlassen: die Poesie.

„Diese kleinen Symbole … sollten mich eines Tages auf eine Reise durch Raum und Zeit mitnehmen.“Nikos Samartzidis, 2003

Den Zeichen begegnete er erstmals als Schüler und später im Archäologischen Museum von Heraklion. Nach seiner Auswanderung wurden sie zu einem indirekten Weg zurück nach Griechenland: zu seiner Sprache, seinem Licht und seinen Dichtern.

Die Bewegung verläuft in beide Richtungen: Zeitgenössische Verse reisen zurück, ein altes Schriftsystem kehrt in die Gegenwart zurück. Getrenntes tritt wieder in Beziehung: Zeichen und Bedeutung, Fragment und Ganzes, Vergangenheit und Gegenwart.

Türkis, Blau und Gold sind mehr als ein Rahmen für den Text. Sie wirken selbst: Schönheit hält das Werk sinnlich, offen und lebendig.

03 / Zusammenfügung

Sinn gibt
Fragmenten einen Körper.

Die Teile finden zusammen, ohne ihre Fugen zu verbergen. Bedeutung verbindet sie: Das Gedicht lässt jedes Fragment es selbst bleiben, während das Ganze wie Musik zu schwingen beginnt.

White 1 · Terrakotta · Animationsstudie Das Originalwerk ansehen ↗

04 / Vier Kräfte

Hat Sprache einen Körper gefunden, lernt sie durch Verwandlung zu überdauern.

Vier Zugänge zu einem Werk: Zeichen, Sprache, Entfernung und Fortbestehen.

I

Zeichen

Ein Schnitt wird zum bewussten Zeichen, sobald er Teil eines Rhythmus wird.

Dithyramb, ein Werk mit ausgeprägter Oberflächenstruktur und wiederkehrenden eingeritzten Zeichen
DithyrambArchivaufnahmeWerkdetails ansehen ↗

II

Sprache

Das Zeichen trägt mehr als Worte: den kulturellen Atem, das Pneuma der mykenischen Welt.

Mycenaean Gold, eine türkisfarbene vertikale Komposition aus Zeichen und dunklen geometrischen Formen
Mycenaean GoldArchivaufnahmeWerkdetails ansehen ↗

IV

Fortbestehen

Leinwand, Ton, Sandstein, Datenträger: Kein Material besitzt das Wort. Jedes eröffnet ihm eine andere Zukunft.

Präsentationsstudie von White 1, einer Terrakottatafel mit Linear B, in einer sanft beleuchteten Glasvitrine
White 1Ton · Präsentationsstudie · Detail ↗
Präsentationsstudie des beschrifteten, spiegelnden Datenträgers CD 22 in einer sanft beleuchteten Glasvitrine
CD 22Datenträger · Präsentationsstudie · Detail ↗
Jasmine, ein blaugrünes Werk mit eingeritzten Zeichen aus der Linear-B-Serie

05 / Verflechtung

Die Schrift ist alt. Die Stimmen leben.

In den Werken begegnen Homer und Sappho modernen Stimmen. Elytis nimmt eine zentrale Stellung ein, neben Ritsos, Seferis, Kavafis, Kazantzakis und Gatsos. Ihre Worte gelangen durch Linear B in Farbe, Ritzung und Licht. Über die Auswanderung hinweg bleibt Griechenland darin eine lebendige Sprache, keine erstarrte Erinnerung.

„Nicht, dass sie sprechen, sondern dass sie sich erinnern. Eigentlich beginnt es bei mir.“Nikos Samartzidis

Deutsche Übertragung · Ausstellungstext, 2010

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06 / Künstler

Ein Leben zwischen Orten und Sprachen.

1957 in Aridaia geboren und zwischen Athen und Thessaloniki aufgewachsen, fand Nikos Samartzidis seine Bildsprache durch Malerei, Keramik und die Landschaften Kretas und der Ägäis.

Nachdem er als professioneller Keramiker gearbeitet und ein Atelier in Horto am Pilion gegründet hatte, zog er 1990 nach Deutschland. Die Entfernung wirkte als Katalysator: Erinnerung, griechische Poesie und die alten Zeichen von Linear B verbanden sich zu einer beständigen künstlerischen Praxis.

Zum Linear-B-Dossier Die historische Website besuchen →

07 / Weitertragen

Tragen Sie die Geschichte weiter.

Ein Werk zu sammeln heißt, Teil seines nächsten Lebens zu werden: seine Sprache, Poesie und Schönheit an einen anderen Ort zu tragen und zugleich das weitere Schaffen zu ermöglichen.

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Verfügbare Werke werden im persönlichen Austausch mit geprüften Angaben zu Maßen, Material, Zustand, Provenienz und Preis vorgestellt. Jeder Erwerb beginnt mit dem Werk und einem direkten Gespräch.

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